
Aus Ehrenamt wird Erwerb
Schreiben liegt ihm: Er ist freier Mitarbeiter der Lokalzeitung, außerdem ehrenamtlicher Pressesprecher eines Vereins. Um das Amt professionell ausüben zu können, macht er neben dem Studium einen Abschluss als Kommunikationswirt und spezialisiert sich für Non-Profit-Kommunikation.
Christian Schnaubelt entdeckt früh seine Liebe zum Schreiben. Zuerst bei der Schülerzeitung, später bei der Lokalzeitung sammelt er Erfahrungen. Sein Wissen ist auch im Verein hochwillkommen: Bei der deutschen Pfadfinderschaft St. Georg wird er 1997 Pressesprecher für das Bistum Essen. „Mir war wichtig, beide Tätigkeiten auch neben meinem Studium der Sozialwissenschaften aufrecht zu erhalten. Zum einen halte ich es für wichtig, nicht nur theoretischen Wissen anzuhäufen. Zum anderen sah ich vor allem in meiner Tätigkeit als Pressesprecher eine Perspektive für eine Schließlich entscheidet sich Christian Schnaubelt, das Universitätsstudium zurückzustellen und erst einmal eine fundierte Basis für seine beiden anderen Aktivitätsbereiche zu schaffen. „Die evangelische Medienakademie bot 2000 erstmals ein Fernstudium zur Non-Profit-Kommunikation an. Die zweijährige Ausbildung schließt mit dem staatlich anerkannten Kommunikationswirt ab – das schien mir ideal, um sowohl meine journalistischen Kenntnisse zu vertiefen als auch strukturiertes Wissen zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aufzubauen.“
Im Sommer 2002 hat er seinen staatlich Kommunikationswirt in der Tasche - und lotet Zukunftschancen aus. "Zurzeit gibt es wenig Möglichkeiten, als Journalist eine Festanstellung zu erhalten. Interessanter schien mir, mit der Non-Profit-Kommunikation ein in Deutschland noch neues Feld zu entwicklen". Bis zum Abschluss des Universitätsstudiums will er jedoch nicht warten. "Ich war durch das Fernstudium sehr motiviert und hatte vor allem interessante Kontakte geknüpft. Deshalb wollte ich versuchen, mir direkt eine Basis für eine spätere Vollzeit-Selbstständigkeit zu schaffen."
Als ersten Auftraggeber wählt er die Pfadfinderschaft. Dort muss er die Verantwortlichen überzeugen, dass aus bisher ehrenamtlichen Arbeiten fortan auch bezahlte Tätigkeiten und Projekte werden. "Mein wichtigstes Argument war sicherlich, dass ich den Verein seit Jahren kenne und mich nicht erst in die besonderen Anforderungen eindenken muss." Dazu konnte er darauf aufbauen, das die Pfadfinder seine Arbeit bereits mit zwei Pressepreisen gewürdigt hatten. Entscheidend war aber, den richtigen Moment für die Ansprache zu wählen. "Ich habe als Anlass gewählt, dass die deutsche Delegation beim Weltpfadfindertreffen in Thailand professionelle Pressearbeit benötigt - und mich angeboten." Tatsächlich erhält er den Auftrag, die 700 Personen starke Delegation nach Bangkok zu begleiten. "So habe ich ein Kommunikationskonzept aufgestellt und umgesetzt - von der Vorberichterstattung über Interviews mit Radiosendern bis hin zu Angeboten auf der Homepage." Zwar kann Christian Schnaubelt nicht alle Leistungen in Rechnung stellen, weil manches von ihm als ehrenamtlicher Pressesprecher ohnehin erwartet wird. Dennoch betont er, dass er mit diesem Einstieg hochzufrieden ist: "Vor Ort habe ich eng mit der Pressestelle des Weltbüros zusammengearbeitet und dadurch viel gelernt. Allein das ist mir wichtig. Darüber hinaus haben sich dadurch Folgeprojekte bei Publikationen und Mitgliederzeitschruften des Georgs-Verlages ergeben."
Diese Herangehensweise feilt er weiter aus, um auch andere Einrichtungen als Kunden zu gewinnen. "Aufbauen konnte ich dabei auf einer Menge Detail-, teilweise auch Insiderwissen. So wusste ich, welche Projekte in der nächsten Zeit in den Organisationen anstehen. Bei der Kirche ist es nicht nur wichtig, journalistisch schreiben zu können - am besten erzählt man auch, dass man bereits Beiträge in kircheneigenen Publikationen veröffentlicht hat."
Mit dieser Herangehensweise kann er auch andere Einrichtungen innerhalb der Pfadfinderschaft und der katholischen Kirche von sich und seiner Arbeit überzeugen. Fünf verschiedene Organisationen werden zu seinen Kunden - und vergeben regelmäßig Folgeaufträge. "Weil sich die Akteure untereinander kennen, werde ich auf meine anderen Projekte angesprochen. Das gibt den Kunden die Sicherheit, mit dem richtigen Partner zusammenzuarbeiten."
Zwar sind die Budgets oft relativ knapp. Zum Ausgleich kann er aber die Leistungen fast immer anhand seiner Stundenübersicht abrechnen, so dass er zumindest nicht das Problem fester Budgets und daraus verbleibender unbezahlter Stunden hat. "Meine Studensätze variieren sehr stark. Zumeist kann ich Konzeptionsarbeiten zur marktüblichen Stundensätzen abrechnen. Andererseits komme ich den Organisationen aber auch entgegen und reduziere Stundensätze für Routineaufgaben."
Möglich ist ihm diese flexible Preisgestaltung, weil er mit einer kleinen Struktur und geringen Fixkosten gestartet ist. "Im Non-Profit-Bereich scheint mir wichtig, sich diese Flexibilität zu wahren. Deshalb will ich meine Firma vorerst auch nicht mit angestellten Mitarbeitern betreiben, sondern mir durch Partner mit ähnlicher Ausrichtung die Basis schaffen, auch größere zuverlässig bewältigen zu können." Diesen Weg testet er gemeinsam mit seinem Studienkollegen Uwe von Schirp beim ökumenischen Kirchentag. Gemeinsam gründeten sie die "cu-communications - Team für Non-Profit-Kommunikation", betreuen die Jugendaktion "Sauerland - Powerland" und verschaffen dem Projekt die gewünschte Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit. "So aufgestellt, akquieren wir auch neue Projekte. In der Zusammenarbeit ergeben sich mehr Kontakte - und wir können gemeinsam auch konzeptionell viel bessere Grundlagen für unsere Arbeit schaffen. Denn als Einzelkämpfer läuft man immer Gefahr, Wichtiges zu übersehen oder falsch zu beurteilen. Im Team kann man die Arbeit des anderen begleiten und gegebenfalls korrigieren."
Erkennen musste Christian Schnaubelt, dass Entscheidungsträger im kirchlichen Raum eine besondere Form der Ansprache benötigen. "Entscheidungen sind Chefsache. Also gilt es, in der Vorarbeit mit den zumeist ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern viel Flexibilität an den Tag zu legen, zugleich aber das Projekt entscheidungsreif vorzubereiten. Hierbei zeigt sich immer stärker, dass Budgets knapper werden und man klare Zielvorgaben schaffen muss, etwa zu möglichen Spenden." Er versucht deshalb, die Möglichkeiten der Spendengewinnung stärker in seine Konzepte einzubauen. "Die Öffentlichkeitsarbeit entspricht in Non-Profit-Organisationen der Marketingabteilung. Mit Fundraising können wir Drittmittel akquieren, durch Pressearbeit für Bekanntheit sorgen. Dieser Dreiklang erfordert viel Einsatz, bringt aber auch viel."
Gerade durch die hohe Indentifikation mit den Projekten seiner Auftraggeber weiß Christian Schnaubelt um die Gefahr, die eigene Arbeit zu wenig am Budget auszurichten. "Man muss eine Schere im Kopf haben und nur tun, was das Budget erlaubt. Auch wenn das heißt, manche Ideen nicht umzusetzen und Möglichkeiten nicht auszuschöpfen."
Dieser sorgfältige Umgang mit der Zeit ist Christian Schnaubelt wichtig: "Ich will mein Sozialwissenschaftsstudium mit dem Schwerpunkt Medienpolitik abschließen - und wenn es geht, möchte ich auch weiterhin als freier Journalist für kirchliche und kirchennahe Medien arbeiten."
Christian Schnaubelt empfiehlt, sich sorgfältig mit dem Profil eines potenziellen Kunden zu beschäftigen. Das Selbstmarketing muss im Anspracheweg passen. "Stallgeruch" lässt sich dabei durch richtige Wortwahl aufbauen, aber auch durch die klar dargestellte Bereitschaft, zu einem echten Partner werden zu wollen.
Michael Lück - Berater DtA - Ganz und Gar, Köln über KOMMWIRT:
Jeder Mensch ist einmalig, jede Unternehmensgründung ist einmalig, und somit ist in der Regel nur ein individueller Weg zum Ziel erfolreich. Je intensiver sich der Unternehmer mit den besonderen "Befindlichkeiten" seiner Zielgruppe auseinandersetzt, desto größer sind seine Erfolgschancen. Im Wachstumsmarkt "Dritter Sektor" muß zwar noch viel Grundlagenarbeit geleistet werden, aber die Dienstleister werden oftmals mit deutlich "sinnvolleren" Aufgaben als anderswo belohnt...
Stand: 2005
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